19.11.2018 - Franz Grüter

Daten speichern: die Schweiz mittendrin

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Digitale Anwendungen und technische Netzwerke sind unverzichtbar geworden, auch für die ältere Generation. Die Infrastruktur für den E-Mail-Versand bleibt dem Nutzer meist verborgen. Mitten in dieser Entwicklung steht der Luzerner SVP-Nationalrat Franz Grüter. Er stellt das neue Boomgeschäft der Schweiz vor.
 

In der Schweiz wurden in den letzten sieben Jahren für mehr als eine Milliarde Schweizer Franken neue Rechenzentren gebaut. Ein regelrechter Boom, der seine Ursache nicht zuletzt in den besonderen Standortvorteilen des Landes hat. Argumente, die für den Bau von Datenzentren in der Schweiz sprechen, sind insbesondere der gut funktionierende Rechtsstaat, der ausgebaute Datenschutz, aber auch die allgemeine Stabilität der Schweiz sowie die gute Verfügbarkeit von IT-Fachkräften. Darüber hinaus haben auch die hiesigen Glasfaser- und Energie-Infrastrukturen in Sachen Qualität einen hervorragenden Ruf. Diese Argumente vermögen derzeit sogar ausländische Unternehmen mit ihren Daten und ihrer Informatik in die Schweiz zu locken.

Die neuen Datenbunker: unscheinbar, gar abweisend
Diese neue Industrie hat sich weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren hierzulande entwickelt. Rechenzentren sind wie Pilze aus dem Boden geschossen. Denn die Menge der gespeicherten Daten nimmt zu, sowohl in Unternehmen als auch im Privatleben. Daten sind unverzichtbar und so wertvoll wie Rohstoffe. In grossen Rechenzentren werden sie mit enormem Aufwand sicher gespeichert und konstant verfügbar gehalten. Eines haben die neuen Datenbunker gemeinsam: Sie sind meist unscheinbar oder gar abweisend. Die Anlagen sind in der Regel fensterlos, durch hohe Zäune vor neugierigen Blicken geschützt und Kameras registrieren jede Bewegung auf dem Gelände. Der Zutritt ist wenigen Mitarbeitenden vorbehalten und erst nach einem mehrstufigen Sicherheitscheck möglich. Badge und Zutrittscode alleine reichen zudem nicht aus – erst ein Handvenenscan identifiziert das Personal zweifelsfrei und öffnet eine der Schleusen, die in den nächsten abgesicherten Bereich führen. Vier bis fünf solcher Zonen müssen überwunden werden, bevor der erste Serverraum betreten werden kann.

Sicherheit und konstante Verfügbarkeit sind entscheidend
Angesichts der Sicherheitsmassnahmen wird beim Betreten eines Rechenzentrums rasch deutlich, dass die hier gelagerten Informationen wichtig sind. Entsprechend hoch ist der Stellenwert von Datensicherheit und -verfügbarkeit für die Unternehmen, die sich ­in diesen Datenspeichern einmieten. Unter ihnen befinden sich Finanzinstitute, Tech-Konzerne, Handelsbetriebe, Energieversorger oder Online-Shops. Sie alle sind darauf angewiesen, dass ihre Daten permanent verfügbar sind – lückenlos und sicher. Gewährleistet wird die von den Kunden verlangte konstante Verfügbarkeit mit adäquaten Massnahmen. Beispielsweise versorgen in modernen Rechenzentren im – unwahrscheinlichen – Fall eines vollständigen Stromunterbruches mehrere Dieselgeneratoren mit ­jeweils 3000 PS die Server der Kunden konstant mit Energie. Auch die Kühlanlagen sind auf einen unterbruchsfreien Betrieb ausgerichtet, ebenso wie die Glasfaser-Anbindungen, die von verschiedenen Seiten und mehreren Anbietern her ins Gebäude führen. Eine derartige Infrastruktur hat jedoch ihren Preis, denn entsprechend umfangreich sind die Investitionen für den Bau und den Betrieb solcher Hochsicherheits-Rechenzentren. Das neuste Rechenzentrum der Green Datacenter AG mit 3600 m2 Nutzfläche wird mit 70 Millionen Franken zu Buche schlagen und 2019 eröffnet. Eine solche Infrastruktur selbst zu bauen und zu betreiben, ist für die meisten Unternehmen unrentabel und auch keine Kernaufgabe. Deshalb wird sie von spezialisierten Anbietern wie Green erstellt.

Auch für den kleinen Bedarf
Doch nicht nur Grosskunden lagern ihre Daten aus – immer mehr Datacenter-Anbieter richten ihre Angebote bewusst auch an kleine und mittelgrosse Unternehmen. So ist es auch neu gegründeten Firmen, kleinen Betrieben und dem Gewerbe möglich, Daten sicher zu speichern. In Rechenzentren auf Welt­klasse-Niveau, aber in der Schweiz. Und so befindet sich Ihr nächstes Ferienfoto oder Ihre nächste E-Mail-Nachricht vielleicht auf einem Server in einem Schweizer Rechenzentrum.

Franz Grüter

Er ist Verwaltungsratspräsident des Providers und Rechenzentrumsanbieters Green und sitzt seit 2015 im Nationalrat. Beruflich wie auch privat interessiert er sich seit jeher für digitale Themen. Der 55-jährige Luzerner setzt sich in verschiedenen Initiativen für eine sichere und fortschrittliche Digitalisierung ein, die Arbeitsplätze schafft und Nutzen stiftet, so auch als Vizepräsident des Dachverbandes ICTswitzerland.

 

Gastautor: 
Franz Grüter
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