06.02.2019 - Justin Koller

Caserta und sein Prunkschloss

Abstecher in den üppigsten Barock auf der Frühlingsreise nach Süditalien

Im Umland von Neapel gibt es Reiseziele, welche vom modernen Massentourismus weitgehend unbeachtet sind. Doch zeigt sich hier die ganze Bandbreite und der Reichtum der Kunstdenkmäler Kampaniens: griechische und römische Antike, mittelalterliche Städte und prachtvollster Barock.

Bis in die Siebziger Jahre begann hier der Mezzogiorno. Eine unübersehbare Aura der Armut prägte die Region. Seither hat sich das in vielem positiv verändert mit dem Gewinn, authentisches Italien erleben zu können.

Die Reggia, der Regierungspalast von Caserta übertrifft in seinen Dimensionen Versailles

Mit dem Bau des Königspalastes wurde im Jahre 1751 vom spanischen König Karl III. nach den Plänen von Luigi Vanvitelli begonnen. Er wurde als Residenz der Bourbonen für deren Herrschaft über die Königreiche Neapel und Sizilien errichtet und ist heute UNESCO-Welterbe. Karl VII. besuchte den riesigen Palast nur selten. Da er aber nicht beide Königreiche in Personalunion regieren durfte, kehrte Karl VII. zurück in die Heimat und überließ die Großbaustelle seinem Sohn Ferdinand, der das Werk seines Vaters fortsetzte.

Barockarchitektur vom Feinsten

Einer der grössten barocken Paläste müsste doch als Fussgänger leicht schon von weitem zu sehen sein. Es ist ein Koloss, der sich nicht aufdrängt, aber auch nicht leicht zu finden ist, am Rande der Stadt.

Vom historischen Zentrum herkommend steht man unvermittelt vor einem Seitenflügel. Anders der Zugang von der architektonisch scheusslichen Parkgarage, die aber den Blick auf die imposante Anlage öffnet.

Fototermin im Bourbonenpalast

Durch die untere achteckige Eingangshalle mit dorischen Säulen gelangt man in das große Treppenhaus mit einer monumentalen, 18,5 Meter breiten Prunktreppe aus Marmor. Der gewaltige Raum ist eines der größten Treppenhäuser des Barock und leitet über in das obere, ebenfalls achteckige, Vestibül.

Absolutismus braucht Prunk

Unter Karl begannen sich die Künste in Neapel zu entwickeln, doch die Stadt erschien ihm als Hauptstadt nicht repräsentativ genug. Vielen Fürsten des Absolutismus gleich, wünschte er sich eine geplante Stadt als neuen Regierungssitz, die nach dem Beispiel von Versailles Mittelpunkt von Politik, Gesellschaft und Kultur werden sollte.

Deckengemälde im Salone monumentale

Insgesamt dürfte der Bau jedoch eine ins Gigantische gesteigerte Trophäe der absolutistischen Ausbeutung einer Region gewesen sein. Die uneingeschränkte Auffassung von Gottesgnadentum kontrastiert mit den armseligen Lebensumständen der damaligen Untertanen. Der Hofstaat genoss kostspielige Privilegien, die der bäuerlichen Bevölkerung abgepresst wurden. Eine masslose Verschwendung in Schönheit und Grossartigkeit, die wir heute bewundern können.

Park- und Gartenanlagen der Reggia

Gleichzeitig mit dem Palast wurde der riesige, gut 100 Hektar große Schlosspark begonnen. Abweichend vom Vorbild Versailles wünschte Karl VII. einen Garten, der ihn an seine Heimat Spanien erinnern sollte. Der Barockgarten wurde als Bergpark konzipiert und besitzt eine mittige Sichtachse von drei Kilometern Länge. Ausserhalb der Saison sind hier nur wenige Touristen anzutreffen.

Brunnen der Diana mit Gespielinnen

Ein Minibus führt die Besucher vom Schloss in den weiten Park mit den Wasserspielen. Von weither ist ein mächtiger Wasserfall mit rauschenden Kaskaden zu sehen uns zu hören. Das Wasser ergiesst sich in unterschiedliche Brunnenanlagen. Eine davon ist Diana/Artemis gewidmet. Sie ist die stolze Göttin der Jagd sowie die Beschützerin der Frauen und Mädchen, hier dargestellt als Gespielinnen oder Jägerinnen.

Amouretten: Detail vom Brunnen der Venus

Es lohnt sich, Zeit für die Besichtigung der weitläufigen Anlage in der Form eines Englischen Gartens zu nehmen. An manchen Figurengruppen fehlt das Geld für eine Renovation. Die Ausstattung ist aber verschwenderisch. Rundum rauschen Kaskaden und Brunnen – man ist mitten in einer antiken Sagenwelt.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Alle Fotos: © Justin Koller

Gastautor: 
Justin Koller
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