08.11.2018 - Bernadette Reichlin

Eine Frage des Glaubens

Ältere Menschen sollten es tun, Ärzte empfehlen es – tun es selber aber längst nicht alle – und andere halten es für reine Geldmacherei. Impfen gegen Grippe polarisiert.

 

Keine schöne Vorstellung: Man liegt fiebernd im Bett, der Kopf schmerzt und, so wenigstens das Empfinden, jeder Muskel, jedes Gelenk auch. Man ist krank, so richtig, richtig krank. Man hat Grippe.

 

Impfen – und alles ist gut

Dabei wäre alles so einfach. Steht in diesen Tagen in allen Ratgebern, in vielen Zeitungen. Man geht zum Arzt, der Ärztin oder neuerdings auch in die Apotheke und lässt sich gegen die Krankheit impfen. Und ist für eine Saison alle Sorgen los. Hoffentlich.

 

Wenn da nur die Vorbehalte nicht wären. Die letztjährige Impfkampagne schützte zwar vor Influenzaviren, nur nicht ganz vor den richtigen. So wurde der letzte Winter trotz Kampagnen, Aufrufen und ja, auch trotz Impfaktionen, zu einer Grippesaison. Rund vier Prozent der Bevökerung musste ärztlich behandelt werden. Und das waren beileibe nicht alles Impfverweigerer.

 

Impfen gegen Grippe? Eine sinnvolle Präventionsmassnahme. (pixabay)

 

Laut Angaben des Robert Koch-Instituts, dem deutschen Bundesinstitut für Infektionskrankheiten, konnte nur bei gerade 15 Prozent aller Geimpften eine Infektion verhindert werden. 85  Prozent erkrankten trotzdem, wenn auch meist nicht allzu schwer.

 

Lieber weniger als gar kein Schutz

Also ist alles nur eine nicht allzu zuverlässige Präventionskampagne? Diese Schlussfolgerung greift zu kurz. Eine richtige Grippe ist eine schwere Erkrankung und kann gravierende Komplikationen wie Lungenentzündung nach sich ziehen. Eine Impfung schützt vielleicht nicht vor allen Influenzaviren, aber der Verlauf der Krankheit wird trotzdem deutlich abgeschwächt. Antivirale Medikamente gibt es zwar auch. Sie müssen aber in den ersten Stunden der Erkrankung eingenommen werden und lindern höchstens die Begleiterscheinungen. Krank bleibt man trotzdem.

 

Fazit: Trotz regelmässig angekündigten oralen Grippemedikamenten hilft letzlich wirklich nur die Impfung – oder das Vertrauen auf das eigene, superstarke Immunsystem. Wer sich für eine Impfung entscheidet, sollte dies jetzt möglichst schnell  tun. Deshalb auch der nationale Grippeimpftag morgen Freitag. Man schützt sich mit der Impfung nicht nur selber gegen eine schwere Erkrankung mit möglichen Komplikationen, sondern auch sein Umfeld.

 

Gesund durch den Winter

Natürlich gibt es auch weitere präventive Massnahmen, die dafür sorgen, dass man gesund durch den Winter kommt. Dazu gehört sicher eine ausgewogene Ernährung, regelmässige körperliche Betätigung und genügend Schlaf. Und Händewaschen! Wer es sich zur Gewohnheit macht, nach jedem Kontakt mit der Aussenwelt die Hände gründlich und lange mit Wasser und Seife zu waschen, der schützt sich wirksam gegen eine Vielzahl von Erregern. Denn gegen Erkältungen gibt es noch keine Impfung.

 

Zum 15. Mal findet morgen Freitag, den 9. November ein nationaler Grippeimpftag statt. Er steht unter dem Patronat der Verbindung Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH), dieses Jahr zusammen mit dem Schweizerischen Apothekerverband (pharmaSuisse). In den an der Aktion beteiligten Arztpraxen und Apotheken (Adressen unter www.kollegium.ch, resp. www.impfapotheke.ch) abrufbar) werden an diesem Tag interessierte Personen unbürokratisch, gegen einen Pauschalpreis von rund 30 Franken gegen Grippe geimpft.

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