08.10.2018 - Bernadette Reichlin

Füsse gut, (fast) alles gut

Viel Beachtung bekommen Füsse nicht. Erstens sind sie, vom Kopf her gesehen, ziemlich weit weg und zweitens geht es ihnen meist gut. Wenn nicht, merkt man erst, wie wichtig sie sind. 

 

Plötzlich knallt es gut hörbar. Beim Aussteigen aus dem Zug. Und dann ein messerscharfer Schmerz, der kaum zu ertragen ist. Partielle Achillessehnenruptur diagnostiziert der Arzt. Und: Ist bei älteren Personen gar nicht so selten.

Dank Ruhe, Eis und einer täglichen Ultraschallbehandllung verheilte der "Schaden" ohne Operation. Und ich wusste: Jetzt gehöre ich zu den "Älteren". Zu denen, die lernen müssen, den Füssen Sorge zu tragen.

Wenn die Füsse immer weiter weg sind

Dazu gehört auch, dass fachliche Hilfe gesucht werden sollte, wenn die Fusspflege langsam beschwerlich wird. Marlies Zanfrini, Podologin SPV, sieht oft im Alter vernachlässigte Füsse mit eingewachsenen Nägeln, Hühneraugen, Schrunden oder Fehlbildungen wie Senk-, Platt- oder Spreizfüsse. Viele ältere Kunden seien körperlich nicht mehr in der Lage, die Zehennägel zu schneiden oder auch nur die Füsse einzucremenm.

 

Die Podologin Marlies Zanfrini liebt es, vernachlässigte Füsse wieder auf Vordermann zu bringen.

 

Sie liebe ihre Arbeit, meint die Podologin. Und sie liebe es, Menschen im wahrsten Sinne des Wortes wieder auf die Füsse zu helfen. Zu sehen, wie eine ältere Person aufblühe, weil nach podologischen Behandlungen die Schmerzen beim Gehen verschwunden sind. Manchmal brauche es mehrere Sitzungen, bis all die schmerzenden Stellen wieder "saniert" seien.

 

Ein geschultes Auge

Dabei achtet die Fachfrau auch auf Zeichen, die auf eine Krankheit hindeuten. Wenn eine Wunde nicht mehr heilen wolle, könnte das auf eine periphere Gefässerkrankung oder Diabetes hinweisen. Aber auch Farb- oder Temperaturveränderung oder taube Stellen sollten medizinisch abgeklärt werden. Ebenso bei Männern ein Haarverlust an den Unterschenkeln, was oft ein Zeichen für eine mangelhafte Durchblutung ist.

 

Altersbedingte Fussprobleme sind ein weit verbreitetes Übel. Sei es, dass plötzlich ein Hallux valgus, eine Deformierung des Grosszehenballens, das Tragen von eleganten Schuhen schwierig macht. Ja, Halux valgus ist nicht nur, aber vor allem ein Frauenproblem.

 

Auch Arthritis, Arthrose, Rheuma oder Gicht lassen jeden Schritt zur Qual werden. Solche Schmerzen gehören von einem Arzt abgeklärt, um optimal therapiert zu werden. Es sind unterschiedliche Erkrankungen, auch wenn sie alle Gelenkschmerzen auslösen. Allen gemeinsam sind die entzündlichen Prozesse in den betroffenen Gelenken.

 

Entzündungen verursachen Schäden

 

Arthrose ist eine Degenerationserkrankung, die bereits in jüngeren Jahren auftreten kann. Charakteristisch dafür ist der "Einlaufschmerz" am Morgen, der nach einiger Zeit verschwindet. Im weiteren Krankheitsverlauf allerdings nehmen Gelenke, Muskeln und Bänder durch die lang anhaltenden Entzündungsprozesse Schaden.

 

Arthrose gehört zu den rheumatischen Erkrankungen und ist nicht heilbar. Bewegung, gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren helfen, das Fortschreiten der Krankheit hinauszuzögern.

 

Die chronische Arthritis ist im Unterschied zur Degenerationserkrankung Arthrose eine Autoimmunerkrankung. Das heisst, der Körper bildet Antikörper, die die Entzündungen auslösen. Interessant ist, dass Artrithis immer symmetrisch auftritt, dass also nicht nur ein Fuss, ein Knie betroffen ist. Es gibt verschiedene Verfahren, die Folgen der Krankheit zu lindern, angefangen bei speziellen Einlagen in den Schuhe, über Antirheumatika, Injektionen bis zur Operation.

 

Gut zu Fuss heisst sicher auf den Beinen

 

Zusammen mit dem Arzt gilt es, die richtige Behandlung zu finden. Nichts tun ist die schlechteste Lösung. Denn wer wegen starker Schmerzen nicht mehr gut zu Fuss ist, der verliert im wahrsten Sinn des Wortes die Balance. Und Stürze im Alter können verhängnisvoll sein. Aber das ist ein anderes Kapitel.

 

Brüchige oder eingewachsene Nägel und Fehlstellungen des Fusses gehören fachmännisch behandelt.

 

Ein Fuss besteht aus 26 Knochen, 19 Muskeln und 114 Bändern. Dieses hochsensible und komplexe Kunstwerk trägt uns, geht man von einer durchschnittlichen Lebensdauer aus, rund 120'000 Kilometer durch Leben. Also fast drei Mal rund um die Welt.

 

Selbstbewusst unterwegs sein

 

Deshalb sollte man den Füssen Sorge tragen. Viel Bewegung, wenn immer möglich mit geeignetem Schuhwerk, öfters barfuss laufen, pflegen mit speziellen Fusscremen sollten, gerade bei Älteren, selbstverständlich sein.

 

Gepflegte schmerzfreie Füsse tragen viel zum allgemeinen Wohlbefinden, aber auch zur Sturzprophylaxe bei. 

Die ganze Köperhaltung wird vom Fuss aus gesteuert und schmerzende Füsse beeinflussen die Bewegungsabläufe des Körpers, aber auch den Stoffwechsel und die Organfunktionen. Und die Psyche. Denn wer mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht, der fühlt sich sicher und selbstbewusst.

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