03.12.2018 - Fritz Vollenweider

Fassaden und Vorspiegelungen

Manche sagen nicht immer alles, was sie denken. DAS THEATER an der Effingerstrasse in Bern zeigt dieses Thema auf vergnügliche Art.

Das Bühnenstück des 1979 in Paris geborenen Romanciers und Dramatikers Florian Zeller, Hinter der Fassade, wird 2016 in Paris mit grossem Erfolg uraufgeführt. DAS THEATER an der Effingerstrasse zeigt die Schweizer Erstaufführung in der Inszenierung von Stefan Meier. (Deutsch von Annette und Paul Bäcker.) Peter Aeschbachers Bühnenbild zeichnet sich durch klare Formen und Farben aus, und die Kostüme von Sarah Bachmann passen sowohl geschmackvoll dazu, als auch mindestens zum Teil symbolisch zum Gesamtkolorit des Spiels.

Faust im Sack und Augenzwinkern

Beides spielt sich da in den Beziehungen eines Abends bei beiden Paaren ab: Ironische Spielereien wie verletzliche Stösse, geführt mit kaum verhülltem Stachel und pariert mit hin und wieder recht träfen kleinen Fiesigkeiten. Und alles, jedenfalls in den besten Momenten des Verlaufs, mit tänzerisch, spielerisch sich umeinanderschlingenden Dialogreihen gleich schwingenden Girlanden. Gesteigert dann und wann, verhalten hin und wieder… Dass man zuhören darf, was die Personen da eigentlich voneinander halten und übereinander denken, lässt einen manchmal sich als schadenfreudigen Mitwisser fühlen, was den Reiz des Vergnüglichen noch zu erhöhen vermag. Die mit fragendem Gesicht oder ahnungslosem Kopfschütteln zu überstehenden Rätsel in dieser formal auf die Spitze getriebenen Spiegelfechterei, dieses Spiel zwischen Sein und Schein der vordergründig unproblematischen Konversation – , wie das Spannung aufzubauen und ertapptes Lachen oder schmunzelndes Kopfnicken im Saal zu wecken vermag!

Übersichtliche Struktur des Stücks

Johanna Martin (Emma), Ulrich Westermann (Daniel)

Klar gebaut sind die Elemente der Handlung. Zugrunde liegt eine Freundschaft zwischen zwei Paaren, Isabelle und Daniel mit Patrick und seiner Frau. Sie ist beste Freundin von Isabelle, doch Patrick hat sie wegen einer viel Jüngeren verlassen. Das goutiert vor allem Isabelle nicht, und zu Beginn des Spiels windet sich Daniel nach allen Seiten, weil er seiner Frau gestehen muss, dass er seinen Freund zum Nachtessen eingeladen hat. Eine Gelegenheit, die Neue, Emma, kennen zu lernen. Doch offensichtlich keine gute Idee. So nimmt denn das Gerangel zwischen vorgefasster Abneigung und einer erwachenden männlichen Begehrlichkeit seinen Lauf, und am Schluss wird nicht mehr alles sein wie vorher. Oder doch nicht, denn was da an Wahrheiten hinter der Fassade ausgesprochen wird, lassen die heuchlerisch lächelnd getarnten Vorspiegelungen höchstens ahnen.

Stefan Meier mit seinem Ensemble – Elke Hartmann (Isabelle), Johanna Martin (Emma), Andreas Krämer (Patrick) und Ulrich Westermann (Daniel) – zeigen auf der Bühne ihre Lust und Freude am Spielen. Und ganz nebenbei auch, wie das Verhalten von Menschen seine verborgenen Tücken und Ränke ins Spiel bringen kann – Pokerface und Heuchelei lassen grüssen! Das schillernde Spiel zwischen dem Gemeinten und dem Nichtgemeinten bereitet hörbar auch dem Publikum Lust und Vergnügen.

Von links: Elke Hartmann (Isabelle), Johanna Martin (Emma), Andreas Krämer (Patrick) und Ulrich Westermann (Daniel).

Aufführungen bis 2. Januar 2019.
Alle Bilder: © Severin Novacki

DAS THEATER an der Effingerstrasse

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